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Scheitern und Wachsen: Architekten im Berufseinstieg

  • dS
  • 7. Aug. 2020
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 11. Juli 2025


„Architektur ist Wissen um die Technik, Empfänglichkeit gegenüber der künstlerischen Seite der Angelegenheit.“ – Arne Jacobsen

Der Weg hin zum Architekten geht seit Beginn der Zeit über eine umfassende, tiefgründige Ausbildung von theoretischen und praxisorientierten Grundprinzipien. Mit dem universitären oder fachhochschulischen System und einer Reihe niedergeschriebenen Regelwerken kam ein Wandel der Herangehensweise und Ausrichtung der Ausbildung. Der neugeschriebene Weg zum Architekten geht durch ein Studium, das in kurzer Zeit ein breites Spektrum vermitteln muss. Daher werden vermehrt ideologische Ansätze im Sinne eines Grundstudiums vermittelt. Gestützt wird dies vermehrt durch ein an Theorie gebundenes wissenschaftliches Arbeiten, gekoppelt an die Ausrichtung von Universitäten und Professoren, die sich häufig ausschließlich mit forschungsrelevanten Themen auseinandersetzen und oft nicht selber bauen. Daher und teilweise zurecht werden junge Berufseinsteiger dann häufig für ihre realitätsentfernte Denkweise kritisiert, die in ihrer Studienzeit als visionär gelobt wurde. Dieses Delta zwischen Theorie und Praxis wird Vielen zum Verhängnis und sie geraten in scharfe Kritik.

Früher wurden Absolventen unter Aufsicht eines erfolgreichen Mentors weiter belehrt und schrittweise an Tätigkeiten des Berufsfelds gebracht. Der Mentor pflegte eigenes Interesse sein Erlerntes, das er bei Betreuung seiner Bauten mehrmals unter Beweis gestellt hatte, weiterzugeben um Nachfolger zu formen. Dieses Heranwachsen unter einem Mentor ist heutzutage großflächig entfallen. Das Delta der Erwartungshaltung zwischen Professoren und Kunden aus der freien Marktwirtschaft ist groß. Während man für Professoren druckbefreit, innovationsfreudige und fantasievolle Entwürfe vorstellt, gilt am Markt die fast ausschließliche Ausrichtung auf Zeit und Kosten. Es sind zwei unterschiedliche Welten. Kreatives Arbeiten wird durch eine Vielzahl von Normen und des Öfteren traditionsorientierte Auftraggeber limitiert, beim Angestellten muss man neues Wissen vor älteren Architekten mit Bautradition unter Beweis stellen. Junge Architekten und ihre Ambitionen werden oft von erfahrenen Kollegen mit unvergleichbarem Wissensschatz klein gemacht. Ältere Architekten halten an ihren Machtpositionen fest und wollen nicht als veraltet und unkompetent angesehen werden. Ihr Ehrgeiz und ihre Position stehen auf dem Spiel. Im kapitalistischen Konkurrenzkampf ist ehrliche Teamarbeit oder Hilfe selten, eher wird der Hierarchiegedanke deutlich durchgedrückt. Viele finden sich daher nach dem Arbeitsstart in einer Position wieder, die einem technischen Mitarbeiter oder einem Bauzeichner ähnelt und fragen sich, wie sie das Erlernte aus dem Studium in Ihrer Arbeit anwenden können und den Aufstieg als Entscheidungsträger schaffen.


„Praxis ohne Theorie leistet immer noch mehr als Theorie ohne Praxis.“ - Quintilian

Sich praktisches Wissen anzueignen ist allgemein eine gute Strategie, denn Praxis genießt häufig mehr Ansehen als Theorie, es sei denn man ist forschender Mitarbeiter. In dem der Architekt an der Oberfläche einer Vielzahl von Disziplinen bleibt, hat er eine andere Perspektive und kann anders werten als Spezialisten. Jedoch verschwindet das Generalistenbild mit immer komplexer werdenden Unteraufgaben, die eine Aufteilung in Fachgebiete auslöst. So formen Schnittstellen den Fachmann Architekt-Jurist, Architekt-Ausschreibungsspezialist, Architekt-Buchhalter und Architekt-Bauleiter. Die Spaltung der Hauptaufgaben kann einem Neuling, der innerhalb seiner Bürostruktur sich vor Spezialisten beweisen muss schnell zum Verhängnis werden und er wird zu einem Zahnrad in der Maschinerie, anstatt zu einem Generalisten geformt. Generalisten haben Stärken, die scheinbar durch Spezialisten übertrumpft werden, wenn er sich auf diesen Kampf einlässt. Konzentriert er sich auf spezielles Fachwissen, sinken ​seine Chancen, Verständnis von Bauprojekten in ihrem gesamtheitlichen Umfang zu entwickeln. Anstatt sich in Fachwissen zu vertiefen, sollte sich der Generalist darauf konzentrieren, interdisziplinäre und kommunikative Kompetenzen zur Lösungsfindung auszubauen und Fachspezialisten  als Instrumente einzusetzen. Er muss nicht alle Details kennen und profitiert vom Fachwissen seiner Kollegen im SInne des Projekts. Er muss sich dahingehend profilieren, um sein Arbeitsverhältnis und seine Entwicklung mitzugestalten.

Das ultimative Potential eines Architekten als Generalist entfacht sich dann, wenn er, auch wenn grobes, Verständnis baurelevanter Bereiche entwickelt und übergreifend denken kann. Wird ihm dieser Weg ermöglicht, erreicht er immer und immer wieder das Hauptziel: Bauherren zu verstehen, sinnvoll zu beraten und Ihre Wünsche erfolgreich umzusetzen. Nebenher baut er seine Kernkompetenzen weiter aus und findet neue und bessere Wege der Lösungsfindung.

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