Die Renaissance: Der Weltbildwandel von Wissenschaft und Kunst
- dS
- 30. Apr. 2023
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Juli 2025
Es gilt als erkenntnisreiches Jahrhundert, das einen Umbruch und ein neuartiges Weltbild hervorbringt. Der Mensch rückt in den Mittelpunkt und wächst an Bedeutung. Man studiert und versteht nun auch mehr über ihn. Diese Steigerung menschlichen Selbstbewusstseins symbolisiert eine geistige Wiedergeburt, woher der Begriff Renaissance stammt. Navigationsinstrumente und Medizin werden erforscht, arabisch-indische Zahlen benutzt und der Handel mit Früchten, Stoffen und Gewürzen gestärkt. Durch das Wasserrad werden Mühlen als Kraftmaschinen gebaut.

“Darum hat Gott den Menschen aus dem Schlamm der Erde geformt", ein unwürdigeres Element als andere. Gott hat die Planeten und Sterne aus Feuer gemacht, die Brise und Winde aus der Luft, die Fische und Vögel aus dem Wasser; Er aber schuf Menschen und Biester aus Erde.“
– Papst Innozenz III (De miseria conditionis humanae)
Wissen ist Kraft. Das Traktat aus 1195 von Papst Innozenz III. beschreibt das Menschenbild, welches in Westeuropa weit verbreitet ist. Die Kirche stellt den Menschen als unwürdiges und zur Buße verdammtes Geschöpf dar. Gelehrte dieser Zeit teilten diese Auffassung nicht. Sie ziehen aus ihrem Erfahrungs- und Wissensschatz neues Selbstbewusstsein, was sie in Augen der Kirchen zu rebellischen und gefährlichen Aufrührern macht. Die Aneignung neuen Wissens hatte als Ausmaß, dass Vernunft mehr und mehr Gewicht gegenüber religiösen Glaubenssätzen erhielt. Während die Kirche davor Denk- und Lebensweisen und Verbote anordnete, gewinnt jetzt Verstand an Sinnhaftigkeit. Menschen befreien sich von der Sichtweise sie seien sündenbefallen und von Natur aus böse. Mit der Vision eines selbstbestimmten Schicksals bricht ein Zeitalter des freien Denkens an. Die Kirche behält anfangs als Authorisierungsbehörde von Thesen Einfluss und sieht ihre Machtposition als Regulator schrankenlosen Denkens geschwächt und entgegnet Gelehrten und ihren Forschungsergebnissen gegenüber skeptisch, oder wird zum regelrechten Gegner. Die Geschichte des Galileo Galilei oder des Kopernikus zeugt davon. Die Kirche befindet sich inmitten einer für sie kritischen Zeit, in der sie den Wertewandel gezwungenermaßen annimmt, um in der Gesellschaft anerkannt zu bleiben.
Lesen macht einen ganzen Mann, besprechen einen fertigen Mann und schreiben einen exakten Mann.“ – Francis Bacon
Händler und Künstler. Der Buchdruck Gutenbergs (1450) beschleunigt die Verbreitung von Ideen auf einem weit ausgebauten Handelsnetz von Europa bis nach China. Kaufleute wie die Medicis steigen gesellschaftlich zu Macht und Einfluss auf, finanzieren die Emanzipierung von Künstlern und Gelehrten und versorgen sie mit Schriften. Einige schaffen sogar eigene Ausbildungszentren und Angestelltenverhältnisse für Künstler und verkaufen Kunstwerke nicht nur an die Kirche, bisher größter Auftraggeber europäischer Kunst, sondern allgemein an kaufkräftige Menschenmassen. Künstler verändern sich von gehorsamen Dienstleistern zu selbstsicheren Vertretern ihres Werks und diktierten teilweise Kunden sogar Forderungen. Noch nie waren Künstler so anerkannt, teilweise sogar zu Lebzeiten verehrt. Durch ihren Wissensschatz werden sie entweder als gelehrte Künstler oder kunstbegabte Gelehrte bezeichnet. Beide passende Titel, denkt man an Genies dieser Zeit: Leonardo Da Vinci (1452-1519), Michelangelo Buonarroti (1568-1646), Albrecht Dürer (1471-1528), Raphael Sanzio (1483-1520), Donatello (1386-1466), William Shakespeare (1564–1616), Giorgio Vasari (1511–1574).
Vom Tiefpunkt zum Aufschwung. Die fünfjährige Pest in 1342 überfiel Europa und rottete ca. ein Drittel der Bevölkerung, etwa 25 Millionen Menschen, aus. Der „schwarze Tod“ wird von Kirchenanhängern als göttliche Strafe interpretiert und auf der Suche nach dem Ursprung treten Unruhen in der Bevölkerung auf. Während einige die Juden beschuldigen Brunnen zu vergiften oder vor Altären durch Gebet Gottesbesänftigung suchen, widmen sich andere der Medizin als Hilfsmittel. Das Vermächtnis der arabisch-islamischen Welt findet über Bagdad und Damaskus, Zentren der islamisch-arabischen Kultur in den Westen. Sie standen im Austausch mit antiken Persern, Indern und Chinesen. Sie sammelten deren Errungenschaften und entwickelten sie weiter und gaben sie über Italien und Spanien an Europa. Mit dem Erbe des Orients beginnt der Aufbruch des Abendlandes.
Kreuzzüge beginnend von 1095 bis ins 14. Jh. verhelfen der Kirche zu Reichtum und Verbreitung ihrer Glaubenssätze. Kreuzritter sind von der Kirche durch Vergebungsbriefe sanktioniert, in Gottes Namen blutrünstige Schlachten zu führen. Auf dem Weg schließen ihnen sich Opportunisten auf der Suche nach schnellem Reichtum und anderssprachige Kreuzritter, verbunden durch gleiche Motivation, an. Die Kreuzzüge richteten sich meist gegen Jerusalem, galten jedoch allgemein allen religiös-politischen Gegnern der Kirche und wurde zum Instrument der Reichssicherung ihrer Grenzen. Mit zunehmender politischer Bedeutung gelangt auch Konstantinopel ins Fadenkreuz der Kirche. Es gilt als Wissenszentrum Europas und mit der Eroberung von Osmanen in 1453 flüchteten Gelehrte, führende Forscher ihrer Zeit, mit ihren Schriften in das gleichsprachige Italien. Sie bereichern eine als barbarisch beschimpfte Kultur mit neuen Ideen und schieben einen regelrechten Innovationsschub an.




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