Die Kunst der Form: Wie Geometrie Architektur definiert
- dS
- 30. Sept. 2023
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Juli 2025
Die Kunst des Bauens drückt sich als Raum schaffende Formfindung eines Baukörpers und der dafür notwendigen Bautechnik unter Beachtung materialspezifischer Möglichkeiten aus. Geometrie ist dabei treuer Helfer von Architekten, denn sie bildet mit ihren mathematischen Grundlagen theoretische Wahrheiten, die in der Praxis funktionieren. Architektur fungiert als bauliche Verkörperung von Geometrie und ihre Verbundenheit drückt sich in der Lösungsfindung immer wieder als wertvoller Ansatz aus. Viele Baumeister haben gut daran getan, sich der Mathematik und Geometrie zu bedienen und gingen wohlwollend an Grenzen, um Erstaunliches zu errichten. Manchmal auch beeinflusst durch etwas Wahnsinn.

Manche Bauten orientieren ihre Volumetrie streng am Grundriss, andere spalten sie gekonnt. Antike Griechen bauen Quader, Ägypter verbinden Quadrat und Dreieck, Römer die Sphäre mit dem Kubus. Spätere Baumeister ziehen den Sphärenmittelpunkt vertikal immer höher, bis sie Rundbögen zum kettenlinienartigen Spitzbogen dehnen und in Westeuropa mit der Gothik die Vertikalität anstossen. Im östlichen Teil der Welt baut man tropfenartige Dachkonstruktionen und Kuppellandschaften. Um neue Formen zu schaffen werden theoretische Arithmetik und präzise Mathematik benutzt, die auf der Baustelle mit Baumaterialien getestet werden. Im Lauf der Zeit und im Sinne der Innovation werden Baustile komplexer und ausgefallener. Die einfache Form des Trilithen, wird zum Rund- oder Spitzbogen und liefert Tonnen- und Kreuzgrat- oder Kreuzrippengewölbe. Ins Quadrat wird ein Kreis eingelegt und wird zur Kuppel, Tambour oder Pendentif. Geometrie und Architektur teilen eine untrennbare Verbundenheit, denn so sehr Geometrie als Lösung dient, wird sie durch Tragwerkstechnik beschränkt. Geometrien sind entweder funktional oder gestalterisch in Gebäuden vertretbar, wobei das eine das andere nicht ausschließt. Wie viel Formenwahnsinn sinnvoll ist, ist eine subjektive Einstellung. Form folgt Funktion oder Funktion folgt Form? In diesem Zweispalt bewegen sich die Philosophien der Architekturgeschichte. Während die einen sich einer wirtschaftlichen, reduzierten und schnellen Bauweise widmen, legen andere ihren Schwerpunkt auf eine ausgefallene Formensprache. Zweitere, wie Zaha Hadid, Oscar Niemayer oder Frank Gehry, bauten überraschend gewagte, stark geschwungene Formen, die den fließenden Charakter einer Skulptur haben. Möglich wird diese Komplexität mit dem Fortschritt des computerbasierten Modellierens, lange vor Baustart. Frank Gehry hat zum Beispiel eine Software der Luft- und Raumfahrttechnik umfunktioniert um seine textilartige Konzipierung umzusetzen. Sie werden entweder verehrend gefeiert oder heftig kritisiert.
Große Baumeister haben schon immer eine Mathematikaffinität bewiesen und sich dadurch Theorie als Lösungsfindung zum Vorteil gemacht, Formen Baumaterialien zuzuteilen und Außergewöhnliches zu schaffen. Das Spektrum reicht von simplen bis zu stark verzerrten Formen, die ineinander fliessen und Innovationen hervorbringen. Das Zusammenspiel zwischen Geometrie und Bau ist das Herzstück von Architektur und bleibt eine äußerst spannende, untrennbare Paarung, die es immer weiter voranzutreiben gilt.




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