Der Mythos des Starchitekten: Ruhm vs. Verantwortung
- dS
- 1. Juni 2024
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Juli 2025
Der Begriff „Starchitekt“ rückt den Architekten in den Vordergrund seiner Bauten. Ultimativ bedeutet das, dass das Gebäude weiter aus dem Bühnenlicht tritt. Das kann schwere Folgen mit sich ziehen, wenn der Architekt seinen Bauten, unbewusst oder bewusst, seine Ansätze aufzwingt und dabei wichtige Aspekte unberücksichtigt lässt.
Bauwerke gestalten das Landschafts- und Stadtbild maßgebend mit und wurden daher oft als symbolisches Machtinstrument missbraucht. Starchitekten tun dies auch, in dem sie Gebäuden ohne Infragestellen ihre persönlichen Vorstellungen in strikter Weise aufzwingen. So verbannte zum Beispiel Corbusier Ornamentik komplett und Calatrava baut allermeist in reinem Signalweiß, auch wenn die Umgebung eventuell anderes verlangt. Tun sie das nicht, agieren sie aus egozentrischen Gründen für einen Wiedererkennungswert oder in Gedanken an das Titelbild in der Zeitschrift, ähnlich zu jemandem, der sein eigenes Porträit in Übergröße im Wohnungszimmer hängen hat. Entfallen bei der Konzipierung wichtige Studien oder Überlegungen, weil sie nicht zur subjektiven Einstellung des Architekten oder des Geldgebers passen, kann das einen Qualitätsverlust des Bauwerks bedeuten. Sie sollten die Richtigkeit gleicher, meist standortunabhängiger Lösungsansätze kritisch betrachten und ihre persönlichen, gestalterischen Vorlieben umgebungsbedingten oder gesellschaftsbedingten Anforderungen hintenanstellen. Ein Architekt muss, sich dessen bewusst, äußerst flexibel und verständnisvoll arbeiten. Ist er wohl seiner Präferenzen überzeugt, schuldet er trotzdem seine Arbeit der Gesellschaft. Daran scheinen Starchitekten zu scheitern.
Jedes Projekt bedarf unterschiedlicher Wertung von Grundlagen und erzeugt damit andere Endergebnisse. Diesen Prozess so zu reduzieren, wie es der Modernismus im Sinne eines global reproduzierbaren Gebäudes versucht, ist bereits seit Corbusier und MIes van der Rohe als fraglich aufgedeckt worden. Um sinnvolle Architektur zu erschaffen, bedarf es für Architekten an Demut, denn Architektur ist kein Werkzeug zur Verherrlichung eines Baumeisters, sondern eher der Architekt das Werkzeug zur Verherrlichung eines Bauwerks.



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