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Der Baumeister traumhaft bescheidener Beton-Poesie

  • dS
  • 27. Feb. 2024
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 11. Juli 2025

“Aus meiner Sichtweise ist die ultimative Aufgabe eines Architekten zu träumen. Anderenfalls passiert nichts.“ - Oscar Niemayer

Oscar Ribeiro de Almeida Niemeyer Soares Filho (*1907- †2012) ist ein brasilianischer Architekt und gilt als Wegbereiter und Visionär der brasilianischen Architekturgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts. Er nimmt in späteren Jahren den deutschen Namen seiner Großeltern väterlicherseits an und heißt ab dann Oscar Niemayer. Kaum ein Architekt hatte die Möglichkeiten, seine Kunst und Ideologie so frei zu entwickeln und auszuleben wie er. Mit einer Karriere von 78 Jahren und über 600 Werken gilt er als einer der einflussreichsten Architekten der Moderne und formt die Architektur eines aufstrebenden Landes mit. Er konzipiert architektonische Ikonen wie die Bauten der Pampulha in Belo Horizonte, das Edifício Copan in Sao Paulo, das Museum der zeitgenössischen Kunst in Niteroi und das Museum Oscar Niemayer in Curitiba. Auch arbeitet er an einer so nie zuvor gestellten Aufgabe an Architekten, den Bau einer neuen Hauptstadt Brasilia. Brasilia wurde zu Lebzeiten, das Gesamtwerk seiner architektonischen Zeichnungen und Baupläne, nach seinem Tod zum Weltkulturerbe erklärt.

Einige große Persönlichkeiten wie Lúcio Costa, Fidel Castro, Juscelino Kubitschek und Le Corbusier sind mit ihm assoziiert. Durch seinen Mentor Lúcio Costa, ein einflussreicher Architekt seiner Zeit, gelangt er an eine Zusammenarbeit mit Le Corbusier, welcher ihn zu seinem persönlichen Assistenten und Vertreter im Planungsgremium der UNO für das Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York City machte. Über Entwürfe und Projekte hat er sich stets mit einer Gruppe Menschen verschiedenster Berufsfelder zum Beispiel Ärzten, Journalisten, Athleten und Politikern ausgetauscht.

„Wenn wir der Architektur den menschlichen Inhalt geben wollen, der ihr fehlt, müssen wir am politischen Kampf teilnehmen.“ – Oscar Niemayer

Da er enge Beziehungen mit einer Reihe Politikern, unter anderem Juscelino Kubitschek (Staatspräsident Brasiliens von 1956 bis 1961), Fidel Castro und einige Anhänger der kommunistischen Partei pflegt, erhält er Aufträge politischer Symbolbauten im städtischen Raum. Viele davon sind hauptsächlich in Brasilien, aber auch in der ganzen Welt verteilt. Dass er bekennender Kommunist war, wurde ihm im Zuge der militärischen Machtergreifung durch die Militärs 1964 zum Verhängnis und er wurde ins Exil geschickt. Sein bereits internationaler Ruf als Architekt verhalf ihm bei der Eröffnung eines Architekturbüros in Paris zu Aufträgen und er konnte seine Arbeit nahtlos weiterführen. Er konnte zwar seine Arbeiten in Brasilien später fortsetzen, blieb aber jedoch ganze 18 Jahre im Ausland.


Niemayers Bauten des Pampulha-Komplexes
Niemayers Bauten des Pampulha-Komplexes

„Architektur war mein Weg meine Ideale auszudrücken: einfach zu sein, ein gleiches Weltbild für Alle zu schaffen, Leuten mit Optimismus zu entgegnen.“ – Oscar Niemayer

​Seine Bauten sprechen für sich. Er teilt Ansichten vieler seiner Kollegen des Modernismus, der sich in großem Aufschwung befindet, hebt sich jedoch im Laufe seiner Karriere immer weiter von anderen Architekten ab. Stahlbeton, Stahl und Glas sind die prädominanten Baumaterialien des zwanzigsten Jahrhunderts. Er teilt schon früh die Vorliebe des Stahlbetons mit anderen Architekten seiner Zeit und bringt ihn, anfangs zurückhaltend und mit der Zeit immer gekonnter, in seine Bauten. Der Baustoff ermöglicht große, Freiräume und offene Grundrisse, welche er für seine Gebäude instrumentalisiert. Wenn absolut notwendig nutzt er, wie Corbusier, freistehende und der Fassade entfernte Rundstützen. Er entwickelt sich zum zweifellosen Meister des Stahlbetons, in dem er dessen Grenzen mit innovativen Formen immer wieder unter Beweis stellt und erweitert damit den Kenntnisstand des Baustoffs. Sein Lebenswerk kann als Katalog der gestalterischen und statischen Möglichkeiten des Baustoffs gesehen werden.

Dies ist seinem freien und künstlerischen Erfindungsdrang und seiner Experimentierfreudigkeit von Formen zuzuschreiben. Gekonnt implementiert er Kurven in seine Formensprache, die seinen Bauten Eleganz und eigene Akzente geben. Diese Freiheit der Formfindung wird ihm durch die Beauftragung von Galerien, Museen und Monumentalbauten ermöglicht, die allgemein als Symbolbauten instrumentaler Architektur gelten. Er schafft es, Architektur komplett neu zu erfinden und überrascht mit futuristischen Formen, die „Aha“-Effekte erzeugen.

Anzumerken ist, dass er die bevorzugten Bauelemente der modernen Architektur in Brasilien, einem Land meist sehr verzeihbarer Wetterbedingungen, gut einsetzen kann und in der Formgebung, an nicht allzu viele Faktoren gebunden ist. Dieser klimabedingte Aspekt ist ausschlaggebend, denkt man zum Beispiel an Regionen höherer Niederschläge, in denen Flachdächer nicht annähernd so sinnvoll wie andere Dachformen sind. Oder an Regionen höherer Temperaturschwankungen, in denen große Fensterfronten viel Wärme ins Gebäude oder aus dem Gebäude leiten. Auskragende Flachdächer, die sich vom Baukörper lösen und große Fensterflächen verschatten finden in seinen Gebäuden sinnvolle Anwendung. Ein Schlüssel zu seiner gepriesenen Architektur liegt in der Gunst der Wetterbedingungen zur sinnvollen Nutzung der Bauelemente des Modernismus. Er behandelt Bauten wie Skulpturen, in denen Form als ausschlaggebendes Merkmal der Architektur an Gewicht gewinnt, in Kontrast zu dem Leitsatz „Form folgt Funktion“. Sein Ansatz dreht diese Rangliste um und er gelangt dadurch an seine exzeptionelle, einzigartige Formensprache, die ihm seinen Ruf als Architekt verschafft. So unkonventionell seine Bauten scheinen mögen, behalten sie jedoch eine erstaunliche Schlichtheit und erzeugen ausdrucksstarke Überraschungen. Er gilt als Visionär, Freidenker und wird von Vielen als architektonisches Genie betitelt.

1 Kommentar


t ht
t ht
30. Sept. 2025

Ich bin wirklich begeistert von der Qualität dieses Beitrags. Er bietet eine einzigartige Perspektive und echten Mehrwert. Die Diskussion über die Verbindung von Intuition und rationalem Denken fand ich besonders spannend. Manchmal brauchen wir einen Anstoß, um aus unseren festgefahrenen Denkmustern auszubrechen. Eine einfache Ja-Nein-Frage an das Tarot kann so ein Anstoß sein. Es gibt eine Ja-Nein-Tarot-Online-Befragung, die ich manchmal für schnelle Richtungsentscheidungen nutze, um mein Bauchgefühl zu überprüfen.

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