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Harmonie in Musik und Architektur: Klänge aus Stein

  • dS
  • 1. Sept. 2022
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 11. Juli 2025


„Musik ist flüssige Architektur. Architektur ist gefrorene Musik.“

– Johann Wolfgang von Goethe

Es gibt einige Parallelen zwischen Musik und Architektur. Beide sind kreative Künste und damit gebunden an Emotion, Überraschung, Einfallslust und Struktur. Man spielt innerhalb vorgegebener Regeln und Denkweisen Jahrhunderte alter Traditionen und Erkenntnissen, erkennt diese an oder schafft noch nie dagewesenes. Es herrscht in beiden ein Streben nach Perfektion, die aufgrund ihrer Komplexität und Einflüsse nicht erreicht werden kann. Das verunsichert jedoch die Verfasser nicht, denn es gibt eine Bandbreite verschiedener Ansätze und Stile, unter denen mittlerweile Jeder subjektiv Favoriten wählen kann. Der eine mag Rock der 1980er Jahre, der andere den Brutalismus der 1950er Jahre.

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Die vielen Stilrichtungen entstehen aus subjektiven Wertungen und unterschiedlichen Ausrichtungen, die allesamt zu anderen Ergebnissen führen. Jedoch gibt es Vorsätze bzw. Regelungen, die als Wahrheiten anerkannt sind. Die Anwendung von Theorie und Praxis sind Fähigkeiten und vervollständigen das Verständnis. Je stärker entwickelt, umso mehr formt sich ein klares, identitätsgebendes Bild. In der Musik gibt es die Denkweise, dass Theorie einschränkend auf Kreativität und Qualität wirken kann. Dies gilt jedoch allgemein für Naturtalente, die größere Masse steigert durch Wissensaneignung oder Erlangen praktischer Fähigkeiten schneller an zufriedenstellende Ergebnisse.

Sowohl in der Musik als auch in der Architektur wurden abstrakte Themen wie zum Beispiel Schönheit und Wohlklang analysiert und heruntergebrochen, bis sich Wahrheiten herauskristallisierten. Zum Beispiel beruft sich Wohlklang auf bestimmte Tonabstände (Intervalle) in Akkorden, Schönheit auf bestimmte Proportionen von Bauelementen. So wurden für die Architektur zum Beispiel Studien natürlicher und menschlicher Proportionen und Ihre Anforderungen an das gebaute Umfeld oder materialspezifische Tabellen für Ihre statischen Eigenschaften verfasst. Gleichermaßen gibt es für die Musik Regeln zum Akkordbau oder zur Orientierung innerhalb von Tonleitern. Man kann dabei in Detailtiefen gelangen, die die Akkordsequenzen und -zusammenstellungen des Jazz oder Bossa Nova beschreiben oder die Anordnungen der Ausschmückungen des Barocks analysieren.


Ebenso sind die Konstellationen von Intro, Versen, Chorus und gegebenenfalls einem Altro oder Solo der Reihenfolge der Räumlichkeiten in Gebäuden gleichzusetzen. Denkt man zum Beispiel im Wohnungsbau kann dies die Anordnung des Eingangs und damit der erste Eindruck des Werks (Intro), der Flur in andere Räumlichkeiten (Übergang Intro zum Vers) oder ein architektonischer Höhepunkt (Solo) sein. Ebenso zur Fassadengestaltung kann eine Rhythmetisierung von baulichen Elementen zu einer Harmonie führen. Es wird ausgefeiltes Feingefühl und Expertise benötigt, um Wohlbefinden bzw. Wohlklang zu erzeugen. In der Grauzone des Unwissens befinden sich jedoch häufig auch interessante Überraschungen, die "Aha"-Momente mit sich bringen können. Sehr viel mehr als Architekten berichten Musiker von interessanten "Fehlern", die zu Unvorausgesehenem geführt haben.

„Über Musik zu reden ist wie über Architektur zu tanzen.“ – Frank Zappa

Der Hauptunterschied beider Künste ist der Rezeptor und die Wahrnehmung. Bei der Musik das Ohr, bei der Architektur das Auge oder der ganze Körper. Ein Lied, das man nicht mag, überspringt man, während man sich ein Gebäude im öffentlichen Raum immer wieder ansehen muss, ein falsch gebautes Gebäude kann sogar töten. Die Ausmaße eines architektonischen Werks sind schwerwiegender , was zusätzliche Verantwortung und Folgen von Regelwerken abverlangt.

Nichtsdestotrotz sind Musik und Architektur altbewährte Traditionen und horizonterweiternde Disziplinen, die Emotionen erzeugen und Menschen versammeln. Man kann also durchaus behaupten, dass sich beide Künste grundsätzlich ähneln. Das Anfangszitat von Goethe ist passend, wenn man bedenkt, dass Architektur ein Konzept in die Möglichkeiten eines Materials übersetzen muss und den Kenntnisstand der Bautechnik darstellt. Damit ist ein architektonisches Werk für lange Zeit, und für Alle sichtbar, manchmal sogar Wort wörtlich in Stein gemeißelt.

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